Kulturstiftung des Bundes

Christine Sun Kim:

Ausgabe: Nr. 3/2026

Christine Sun Kim

Kunst
Was weiß die Kunst über die Zeichen der Zukunft?

„Sich zu viele Gedanken über die Zukunft zu machen, kann überwältigend sein, besonders in einem unsicheren politischen Klima“, hat die Künstlerin Christine Sun Kim einmal im Gespräch über das Titelmotiv „Too Much Future“ gesagt. Aber zugleich könne es daran erinnern, „dass es eine Vielzahl positiver Zukünfte gibt, in die jeder eintauchen kann“. In ihren Zeichnungen öffnet Christine Sun Kim Assoziationsräume, in denen verschiedene Perspektiven und Haltungen zur Zukunft erkundet werden können.

Die Zeichen, die Christine Sun Kim in fünf der hier präsentierten Arbeiten nutzt, teilen eine reduzierte grafische Form: Eine Linie erstreckt sich von links nach rechts in einem großen und einem daran anschließenden kleineren Halbkreis. Es handelt sich um die Geste für das Wort „Zukunft“ in American Sign Language, wie Kim im Video zu ihren Arbeiten erläutert. In anderen Werken nutzt sie Notenschrift oder symbolische Darstellungen von Klang. Mit Kohle, Pastellkreide oder Ölpastell variiert sie diese Zeichen und kombiniert sie mit kurzen Kommentaren zu einer Serie von humorvollen, vieldeutigen und ambivalenten Zukunftsvisionen.

Die Zeichnungen von Christine Sun Kim erscheinen in der dritten Ausgabe von fünf zu eins zu der Frage: „Was weiß die Kunst, was wir nicht wissen?“

CC

Straight Up Future

2015

Pastellkreide und Bleistift auf Papier
100 x 125 cm

Foto: Yang Hao für White Space Beijing

Christine Sun Kim

Auf einem Blatt Papier ist mit Kohle eine geschwungene Linie gezeichnet: Die Linie beschreibt von links nach rechts eine Kurve nach unten und endet in einem Loch. Das Loch ähnelt dem Loch auf einem Golfplatz, weil darin ein Stab mit einer dreieckigen Flagge befestigt ist. Ab dem Loch setzt sich die Linie nach rechts oben in einem Bogen fort, als würde sie aus dem Loch „herausspringen“. Oben steht in Großbuchstaben der Titel der Zeichnung: „Future With Certified Sign Language Interpreters“ (auf Deutsch etwa: „Zukunft mit anerkannten Übersetzern für Gebärdensprache“)

Future with Certified
Sign-Language Interpreters

2016

Aus der Serie „Future Base“
Kohlezeichnung auf Papier
30 x 40 cm

Mit Genehmigung der Künstlerin und von White Space Beijing

Christine Sun Kim

Auf einem Blatt Papier sind sechs geschwungene Linien mit Kohle gezeichnet: Die Linien verlaufen fast parallel zueinander mit jeweils einem größeren und einem kleineren Bogen von links unten nach rechts oben. An einigen Stellen gibt es verwischte Kohlespuren auf dem Papier. Über den sechs Linien steht in Großbuchstaben der Titel: „Futurist Future“ (auf Deutsch etwa: „Futuristische Zukunft“ oder „Zukunftsforscher-Zukunft“).

Futurist Future

2016

Aus der Serie „Future Base“
Kohlezeichnung auf Papier
30 x 40 cm

Mit Genehmigung der Künstlerin und von White Space Beijing

Christine Sun Kim

Auf einem Blatt Papier ist eine breite und geschwungene Linie mit Kohle gezeichnet: Die dicke schwarze Linie, die etwa die Hälfte des Papiers einnimmt, verläuft von links nach rechts in einem größeren und einem daran anschließenden kleineren Bogen. An einigen Stellen gibt es verwischte Kohlespuren auf dem Papier. Über der Linie steht in Großbuchstaben der Titel: „Too Much Future“ (auf Deutsch etwa: „Zu viel Zukunft“).

Too Much Future

2016

Aus der Serie „Future Base“
Kohlezeichnung auf Papier
30 x 40 cm

Mit Genehmigung der Künstlerin und von White Space Beijing

Christine Sun Kim

Auf einem rechteckigen, länglichen Papier sind 22 Linien mit Ölpastell und Ölstift gezeichnet. Alle Linien haben einen ähnlichen Verlauf von unten nach oben und alle Linien sind in Paaren von zwei gruppiert. Die Linien beginnen im unteren Teil des Bildes mit einer Kurve und verlaufen dann parallel zueinander nach oben bis zum Rand des Papiers. Am kurvigen Anfang der Linien ist jeweils ein kleines „f” zu erkennen. Das „f” am unteren Ende lässt die Linien wie musikalische Noten erscheinen. Unter den Linien steht in Großbuchstaben der Titel: „Overly Ambitious Futures“ (auf Deutsch etwa: „Überambitionierte Zukünfte“).

Overly Ambitious Futures
(Large Version)

2015

Ölpastell und Ölstift auf Reispapier
150 x 400 cm

Foto: Yang Hao für White Space Beijing

Christine Sun Kim

Auf einem Blatt Papier ist eine breite Linie mit Kohle gezeichnet. Die dicke schwarze Linie besteht aus vielen groben Strichen, teilweise gibt es weiße Stellen. Die Linie verläuft in einem Zickzack von links nach rechts unten: Sie steigt kurz an bis zu einer scharfen Kante, zieht dann in die untere Mitte des Bildes, mit einer weiteren Kante wieder kurz nach oben und schließlich wieder nach unten rechts. Über der Linie steht in Großbuchstaben der Titel: „Good Grief Future“ (auf Deutsch etwa: „Meine Güte, Zukunft“ oder „Oh je, Zukunft“).

Good Grief Future

2016

Aus der Serie „Future Base“
Kohlezeichnung auf Papier
30 x 40 cm

Mit Genehmigung der Künstlerin und White Space Beijing

Christine Sun Kim

Auf einem Blatt Papier ist eine große rundliche Fläche mit Pastellkreide gezeichnet. Die Fläche ähnelt einem Kreis, aber sie ist nicht symmetrisch. Sie hat ein dichtes Schwarz, Konturen oder weiße Stellen sind auch mit der Lupe nicht zu erkennen. Um die runde Fläche herum gibt es an einigen Stellen verwischte Kreidespuren auf dem Papier. Unter der schwarzen Fläche steht in Großbuchstaben der Titel: „Time“ (auf Deutsch: „Zeit“).

Time

2024

Pastellkreide und Bleistift auf Papier
100 x 125 cm

Foto: Yang Hao für White Space Beijing

Christine Sun Kim

Christine Sun Kim, geboren 1980 in Orange County, Kalifornien (USA), arbeitet als Künstlerin mit Zeichnungen, Performances, Videos und großformatigen Wandbildern. Notenschrift, geschriebene Sprache, Infografiken, amerikanische Gebärdensprache (ASL) und Humor sind wiederkehrende Elemente in ihrem Schaffen. Ihre Arbeiten sind in international renommierten Ausstellungshäusern zu sehen, zuletzt etwa im Whitney Museum of American Art in New York, im Walker Art Center in Minneapolis und im Mori Art Museum in Tokyo. Im September 2026 eröffnet Christine Sun Kims nächste Einzelausstellung im Museum für zeitgenössische Kunst in Luxemburg.